Gen Himmel (Unknown Armies)

Für Zwischendurch gibt es auch mal wieder ein UA Szenario, Fly to Heaven im Original aus dem Schnellschüsse-Band, geschrieben von Greg Stolze selbst. ACHTUNG: Das Szenario behandelt das Thema Flugzeugentführung durch Terroristen, wurde aber vor dem 11. September geschrieben. Wem das Thema zu heikel ist, sollte diesen Bericht nicht lesen. Allen anderen wünsche ich viel Spaß bei dem Erleben eines sehr abstrusen, okkulten Rituals.

Die Charaktere

Fatima Yijifil: Die Stewardess. Sie träumt davon, später einmal Pilotin zu werden und hasst es, wenn jemand Vorurteile gegen Araber hat.

Matt Winokur: Kommt aus der Politik und hat kürzlich die Liebe seines Lebens an einen anderen verloren. Ist daher sehr verzweifelt.

Jack Chance: Ein perfektionistischer Judo-Kämpfer, der sich für Fairness einsetzt.

Jeanette Pryce: Nach etlichen Strapazen endlich Mutter eines gesunden Jungen. Er ist ihr Leben. Avatar der Mutter.

Die Geschichte

Matt befindet sich in der Business Class, als Fatima ihren Rundgang zum Getränkeverteilen beendet. Alles scheint ruhig zu sein, als plötzlich ein nervöser, stark schwitzender Mann aufsteht und der Stewardess eine Pistole in den Rücken drückt. Matt sieht dies und versucht, sie aus ihrer Lage zu befreien, indem er energisch nach Alkohol verlangt. Doch der Entführer, Ralph, lässt nicht locker. Er klemmt einen Laptop unter seinen Arm und dirigiert Fatima in Richtung Cockpit. Matt versucht, an ihn heranzukommen, doch Ralph bedroht nun auch ihn. Auf das gute Zureden Matts reagiert er verunsichert, hält jedoch an seinem Plan fest.

Zur gleichen Zeit steht in der Economy-Class ein Mann auf und hebt zwei Waffen. „Dies ist eine Entführung! Ihr drecks Kapitalistenschweine! Amerika wird brennen! Köpfe runter, na los!“ Er drückt eine seiner Waffen an die Schläfe seines Sitznachbarn und beginnt, wilde Parolen zu brüllen. Zwischendurch befiehlt er den Flugbegleitern, nach hinten zu den Toiletten zu gehen und den bewaffneten Flugbegleiter zu rufen. „Na, traut er sich nicht raus, der H*rensohn? Ihr Amischweine seid doch sonst so patriotisch! Na los, oder ich werde hier jeden erschießen! Ich mach euch alle kalt, Faschistenpack. Bla bla bla!“ Die Geiseln sind irritiert. Einerseits haben sie irrsinnige Angst, auf der anderen Seite kreischt der Entführer teilweise sehr wirres Zeug und wirkt, als sei er auf Drogen. Manche müssen sogar ein Kichern unterdrücken, weil die Situation so absurd ist.

Im vorderen Flugzeugteil kommt Matt mit seinen diplomatischen Versuchen nicht weiter. Fatima geht langsam zum Cockpit und die Tür schwingt plötzlich wie von Geisterhand auf. „Sie müssen das nicht tun, bitte legen Sie die Waffe weg“, sagt die Stewardess laut, sodass die Piloten es hören können und sich umdrehen. Ralph geht zitternd auf sie zu und reicht ihnen einen Zettel mit Anweisungen, dann beginnt er, den Laptop mit Kamera aufzubauen, sodass diese den hinteren Teil des Flugzeugs aufzeichnet.

Hinten droht die Situation zu eskalieren. Jack hat sich seinen Gürtel ausgezogen und um seine Hand gewickelt. Der Entführer bemerkt jedoch die Bewegungen und richtet die Waffe auf ihn. Da lässt Jack sich fallen und täuscht einen Anfall vor, beißt sich auf die Lippe und spuckt Blut. Er hofft, dass der Bewaffnete sich ihm nähert, damit er ihn angreifen und entwaffnen kann. Doch dieser schimpft nur wieder über verschiedenste Dinge, nähert sich der mittig sitzenden Jeanette und bedroht nun sie. Diesen Augenblick nutzt Jack, um auf den Terroristen loszustürmen. Als sich dieser zu ihm umdreht, reißt Jeanette einen seiner Arme herunter, sodass er Jack nicht erschießen kann. Trotzdem ertönt ein lauter Knall und eine Person im Nebensitz wird von der anderen Waffe erschossen. Jack setzt zu einem perfekten Angriff an, doch in letzter Sekunde ändert sich seine Richtung und er nimmt einen der Passagiere in den Schwitzkasten. Der Entführer lacht nur und erklärt: „Ich bin Apu al Sayid! Merkt euch das? Wie heiße ich?“ Die Nennung des Namens löst Schrecken in den Passagieren aus und nur mit Mühe stammeln einige den Namen. Sofort fluten Nachrichten und Bilder ihren Kopf, in denen sie seinen Namen in Verbindung mit etlichen schrecklichen Anschlägen in Verbindung bringen.

Immer wieder betonend, dass er weitere Komplizen hat, befiehlt Apu einigen arabisch aussehenden Männern, die Passagiere mit Klebeband zu fesseln. Ralph bewegt sich derweil langsam zur Mitte des Fliegers, Fatima und Matt versuchen noch immer, ihn zu überzeugen, die Entführung abzublasen. Dann hört man den Schuss und die Schreie aus der Economy-Class. Kurz darauf tritt Apu durch den Vorhang, den er zur Seite reißt und damit den Blick auf das Chaos freigibt. Schnell wird offensichtlich, dass er der Anführer ist und Ralph sein Untergebener, der aber eher wirkt, als würde er zur Mitarbeit gezwungen. Fatima versucht, an den Laptop heranzukommen, als Apus Blick auf sie fällt. „Ah, sieh an, eine kapitalistisch verdorbene Araberh*re.“ Weitere rassistische Äußerungen fallen und Fatima rastet total aus. Mit hochrotem Kopf brüllt sie ihn an, doch es scheint Apu nicht zu interessieren. Er geht zu Matt und drückt ihm ein Souvenir und einen Schlüsselanhänger in die Hand und erklärt: „Du bist jetzt Maine. Geh nach hinten zu den Toiletten. Wer bist du? Wer ist er?“ Energisch lässt er erst Matt und dann alle Passagiere mehrmals wiederholen, wie Matt nun heißt. Dann sucht er sich noch jemanden aus, tut etwas Ähnliches und schickt ihn ebenfalls nach hinten. Anschließend befiehlt er den Flugbegleitern, in die Toiletten hineinzugehen und lässt die Türen mit Panzertape zukleben. Fatima nutzt die Chance und zerschlägt die Kamera, woraufhin ihr Ralph mit der Pistole auf den Kopf schlägt. Apu ist davon nicht begeistert und meint, nun müssten sie sich beeilen.

Matt beginnt sich mit Apu über die Geografie Nordamerikas zu unterhalten, als dieser jemanden zu Washington macht und an die falsche Stelle setzt. Zunächst wirkt Apu irritiert und scheint zum ersten Mal ernsthaft nachzudenken, dann zuckt er jedoch nur mit den Schultern und belässt es dabei. Jeanette berichtet Jack von ihrer Tasche, in der sie noch eine schwere Getränkeflasche hat, die er als Waffe benutzen könnte. Während Apu abgelenkt ist, entdeckt Matt einen Sprengsatz an einer Toilettentür und entfernt die Zündkapsel.

Apu kippt etwas Wasser aus und erklärt dieses zum Mississippi. Bei jeder Zuweisung lässt er die Passagiere diese laut mehrmals wiederholen. Schließlich gibt er einigen von ihnen Textmarker und lässt sie Wörter an die Flugzeugwände schreiben. Bei den Toiletten steht nun „Füße“, rechts und links an den Wänden, wo die Tragflächen liegen, steht „Arme“ und vorne beim Cockpit „Kopf“. Dann ruft er einige weiße Männer mittleren Alters zu sich und befiehlt anderen: „Fesselt sie mit diesen Arterien.“ Dabei hält er rotes Klebeband hoch. Während die Leute anfangen, die Männer zu umwickeln, stimmt Apu die Nationalhymne an. Matt versucht zunächst noch, Ralph zu überreden, ihnen zu helfen. Er sei für Apu wertlos und nur ein Handlanger, an dessen Namen sich niemand erinnern wird. Leider schafft er es nie vollkommen, den von Zweifeln übermannten Mann umzustimmen. Jeannette ahnt, dass es sich bei dem ganzen Prozedere um eine Art Ritual zu handeln scheint und versucht, dieses zu sabotieren, indem sie andere Dinge auf den Boden schreibt und bei den Zuordnungen einfach andere Städte murmelt. Eine Auswirkung scheint dies aber nicht zu haben.

Nach und nach fangen immer mehr Passagiere an, die Nationalhymne mitzusingen, egal ob sie wollen oder nicht. Einige, die vorher nur den Mund bewegt haben, beginnen gegen ihren Willen zu singen und fassen sich verwirrt an den Hals, da sie es sich nicht erklären können. Die umwickelten Männer erhalten den Befehl, rhythmisch auf den Boden zu stampfen, ähnlich dem Schlag eines Herzens. Zwischen dem roten Klebeband dringt etwas Blut hervor. Fatima robbt währenddessen unbemerkt ins Cockpit und dreht den Sauerstoff herunter. Als die Sauerstoffmasken aus der Decke fallen, geraten die Passagiere erneut in Panik und Matt kann Ralph dessen Waffe entwenden und ihn bewusstlos schlagen.Einige Passagiere spüren bereits jetzt, wie das Stampfen des Herzens sich wie ein echter Pulsschlag anfühlt. Apu stimmt eine Rede an, während um ihn herum das Chaos ausbricht. Er spricht von den kapitalistischen Unterdrückern und dem Schwert Allahs, welches das fette Herz Amerikas durchbohren wird. Dabei richtet er seine Pistole auf das Herz. Jeannette wirft ihre Kaffeetasse nach Apu und trifft ihn am Kopf, doch er ist wie im Wahn und bemerkt davon kaum etwas. Jack schleicht sich in Richtung des Entführers und Matt versucht, eben diesen zu erschießen, verfehlt jedoch und trifft ausversehen einen der Passagiere. Daraufhin bricht erstrecht Panik los und einige bezichtigen ihn, mit Apu gemeinsame Sache zu machen.

Im Cockpit versuchen die Piloten, Fatimas Bemühungen, das Flugzeug auf Kurs zu halten, Kontakt aufzunehmen und den Sauerstoff abzustellen, zunichte zu machen. Schließlich fragt sie nach dem Zettel, den Ralph ihnen gezeigt hat und sieht, dass dort nichts draufsteht. Sie schnappt sich einen Feuerlöscher und schlägt einen der Piloten bewusstlos. Anschließend setzte sie sich auf seinen Sitz und versucht, die Kontrolle zu übernehmen. Von hinten hört sie noch immer den Gesang und das rhythmische Stampfen des Herzens, welches sich mittlerweile wie ein Pulsschlag für alle spürbar durch das gesamte Flugzeug zieht.

Der Flieger ändert plötzlich seinen Winkel und Jack und Matt nutzen die Gelegenheit, um sich Apu zu nähern. Dieser zielt mit einer Pistole auf das „Herz“ und schießt. Matt wirft sich davor, doch die Kugel fliegt an ihm vorbei und mitten ins Herz. Im Getümmel verliert Apu eine Waffe und einer der Passagiere schnappt sie sich und zielt auf Matt, den er als Verräter ansieht. Der Schuss geht jedoch in die Decke, woraufhin ein lautes Zischen ertönt. Glücklicherweise befindet man sich nicht mehr allzu hoch in der Luft, sodass der Schaden gering bleibt, die Panik ist jedoch groß. Zum Glück sind die meisten Leute gefesselt und können nicht wild herumlaufen. Dann kann Jack die Waffe entwenden. Apu scheint davon kaum etwas mitzubekommen. Er kreischt seine wilden Parolen, als ihm eine Kugel aus nächster Nähe den Kopf durchschlägt. Der wahnsinnige Entführer geht leblos zu Boden.

In diesem Augenblick kommt der Pilot, der noch bei Bewusstsein war, wieder zu sich und scheint verwirrt zu sein, was gerade passiert ist. Fatima landet mit seiner Hilfe das Flugzeug sicher. Ralph kommt ins Gefängnis, wird dort jedoch totgeprügelt – trotz Einzelhaft. Die Passagiere sind mit dem Schrecken davongekommen und werden zu kleinen Berühmtheiten. Später wird bekannt, dass Apu al Sayid anscheinend in Wirklichkeit Simon hieß und all die Dinge, an die man sich in Zusammenhang mit seinem Namen erinnert, niemals vorgefallen sind. Ein Mysterium, das wohl nie gelöst wird…

Fazit

Das Szenario kommt schnell zur Sache und ist dabei sehr bizarr. Eine Weile ist unklar, ob die beiden Entführer gemeinsame Sache machen oder es ein dummer Zufall ist, dass sie sich beide genau diesen Flug zum Entführen ausgesucht haben. Auch das Ritual, das Apu beginnt, ist so abstrus, dass zumindest ich fast versucht war, ihn walten zu lassen, nur um zu sehen, was es auslöst.

Sehr schön ist auch ein etwas längerer Intotext zu Anfang, bei dem aus Fatimas Sicht die Hauptfiguren vorgestellt werden. Eigentlich ist das Szenario auf einen längeren Zeitraum ausgelegt, da Apu beispielsweise Lösegeld verlangt und erst nach einer halben Stunde sein erstes Opfer erschießt. Auch gibt es noch ein kleineres Oberdeck. Wir haben dieses weggelassen und nahezu in Realtime gespielt. Weitere Änderungen des SL waren eine zweite Knarre für Apu und ein Amulett, mit dem er dreimal Schaden abwehren konnte, sonst hätten wir ihn bereits in der ersten halben Stunde überwältigt. Nachdem unsere Attacken dadurch aber daneben gingen, wurden wir vorsichtiger. Übrigens wird im Szenario auch die Avatarin der Mutter mehr mit eingebunden, indem ihr Sohn ins Herz gesteckt wird, aber da das nur in einem Satz erwähnt wird, nicht markiert ist und der SL auf die Schnelle Gen Himmel als Ersatzszenario gewählt hat, hat er das leider überlesen.

Insgesamt ein sehr verrücktes Szenario mit einem super interessanten Ritual, welches ebenso wie Apus Rede recht detailliert im Text beschrieben wird. Auch der Täter, Apu/Simon, ist kaum einschätzbar, da er einfach nur alle möglichen Terroristen karikiert und sich darüber lustig macht, was man auch an seinen widersprüchlichen Ausrufen merkt. Eigentlich ist er ein größenwahnsinniger Cliomancer – ein Geschichtsmagier – der als Avatar des Terroristen in den Unsichtbaren Rat aufsteigen will.

Das Thema ist natürlich nach dem 11. September etwas heikel und sicherlich nicht jedermanns Sache. Allen, die es gerne verrückt mögen, kann ich Gen Himmel aber nur ans Herz legen.

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