Über Inyo

Ich gehöre zu den RPGlern, die ihr eigenes Pen and Paper System basteln und es irgendwann einmal veröffentlichen wollen. Angefangen hat es unter dem WiP-Titel „Black Oracle“, einer gewöhnlichen Fantasywelt, die aber auf andere Spezies setzte als die meisten anderen RPGs dieser Art. Da Black Oracle auf einer Romanidee von mir basierte, war ich immer wieder gefangen in deren Vorgaben, was mir die Veränderung des Systems und der Spielwelt mehr als einmal erschwerte. Mittlerweile habe ich aber – auch dank meinem Freund, der immer alles kritisch hinterfragt – viele Dinge geändert und so ist Black Oracle längst nicht mehr Black Oracle.

Der derzeitige WiP-Titel lautet nun „Inyo“. Inyo ist das japanische Äquivalent zu Yin und Yang und kommt, soweit ich gesehen habe, hauptsächlich im Umfeld des Kampfsports vor. Trotzdem hat mir allein dieser Titel geholfen, den Fokus der Welt zu verstärken und dieses Prinzip an mehreren Stellen einzusetzen.

Worum geht es in Inyo?

Inyo spielt in einer mehr oder weniger feudalen, asiatischen Welt. Vor etwas mehr als 500 Jahren tauchten die Menschen hier auf, später auch andere Spezies, die sich nun auf dem Kontinent angesiedelt haben. Riesenhafte Monstrositäten durchstreifen das Land, sodass die Bevölkerung sich ausschließlich in großen, stark befestigten Städten zusammenschließt. In diesen Städten herrscht ein fragiles Gleichgewicht zwischen den Bürgern und den Samurai, welches aufrechterhalten werden muss, um nicht den Monstern zum Opfer zu fallen. Doch auch zwischen den einzelnen Clans der Samurai und zwischen den verschiedenen Ländern und Spezies herrschen dauernd Spannungen. Konflikte verschiedenster Art stehen also an der Tagesordnung. Und dann gibt es da noch die riesige, unerforschte Welt zu entdecken – und die Welten, die außerhalb des Wahrnehmbaren liegen…

Wer sind die Charaktere?

Die Spieler schlüpfen in die Rolle von hochrangigen Personen, die aufgrund ihrer Geburtsstunde angeblich zu Großem auserkoren sind. Sie wurden in ihre Rolle gezwungen und sind damit sicherlich nicht alle glücklich. Trotzdem lastet das Schicksal ihrer Stadt, ihres Clans, ihres Landes auf ihren Schultern. Vielleicht sind sie am Hof tätig und müssen die Geschicke der Politik mitbestimmen und -gestalten. Vielleicht sind sie Krieger, welche die Stadt vor der Bedrohung durch Geister und böse Kreaturen beschützen müssen. Vielleicht wollen sie auch ihrem Schicksal entfliehen und ziehen deshalb umher, um das unerforschte Land und Meer zu entdecken. Oder sie sind gar Mönche oder Magier, die sich in fremde Sphären vorwagen.

Was sind Aufgaben der Spieler und der Spielleitung?

Die Rolle der SL ist eher traditionell: Sie stellt die Spielwelt und die NSC dar, entwickelt die Geschichte und bringt diese den Spielern nahe. Sie soll die Spielwelt aber auch lebendig gestalten: Jede Entscheidung der Spielercharaktere hat Auswirkungen auf den Lauf der Welt. Inyo bietet nur eine grobe Zeitlinie und gibt der SL Anregungen und Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte, den Weg und die Details bestimmen aber die Charaktere durch ihre Handlungen. Die Spieler sind daher maßgeblich für die Entwicklung ihrer Welt verantwortlich. Alles, was sie tun, hat Konsequenzen und kann die Zukunft in eine vollkommen neue Richtung lenken.

Wie funktioniert das Spielsystem?

Nach langem Hin und Her habe ich mich für ORE entschieden, die One Roll Engine. Diese wurde von Greg Stolze für ein Kriegssetting entwickelt und ist entsprechend perfekt dafür geeignet, Kämpfe auszuführen. Statt der üblichen 30 Minuten bis 2 Stunden für eine Kampfsequenz und dem Warten auf die Aktion des Nachbarn werden Kämpfe hier innerhalb weniger Minuten und simultan abgewickelt. Man würfelt mit bis zu 10 W10, Päsche sind Erfolge. Je höher die Augenzahl des Pasches, desto besser ist die Aktion gelungen. Je mehr Würfel dieselbe Zahl zeigen, desto schneller läuft die Aktion ab. Auch Schaden und Trefferzonen werden direkt durch Breite und Höhe des Pasches beeinflusst. Es passiert also alles in einem Wurf.

Wie funktioniert die Charaktererschaffung?

Es handelt sich um ein Baukastensystem, allerdings ohne Punktkosten. Man wählt nacheinander seine Spezies, eine vorgegebene Anzahl an Fähigkeiten, Gaben und Spezialisierungen. Anfänger können einige dieser Schritte auch weglassen und nur mit Grundwerten spielen, um ein Gefühl für die Mechanik zu gewinnen und nach und nach die erweiterten Regeln zu lernen. Jeder Spieler legt außerdem für seinen Charakter drei Eigenschaften fest, welche seine Persönlichkeit definieren: Das Gewissen, eine Leidenschaft und eine Verfehlung. Insgesamt erhalten die SC mehrere Möglichkeiten, ihre Charakterzüge detailliert auszugestalten und ihre Fähigkeiten zu individualisieren. Das macht das System teilweise recht komplex, unterstützt aber stark den rollenspielerischen Aspekt.

Was motiviert die Charaktere?

Zuerst sind da natürlich ihre Charaktereigenschaften und Identitäten. Diese bestimmen das Verhalten der Charaktere in bestimmten Situationen. Aber die Charaktere stehen nicht nur für sich. Während der Charaktererschaffung können die Spieler außerdem den Familienzweig eines Clans oder eine Gilde erstellen, durch die die Charaktere miteinander verbunden sind. Im Verlauf der Geschichte können die Charaktere mit dieser übergeordneten Einheit interagieren: Sie erhalten Missionen durch ihr Clansoberhaupt, gehen gegen andere Gilden vor und verhelfen ihrer eigenen zu einem besseren Stand. Da man in der asiatischen Kultur sehr gehorsam gegenüber der Familie und Vorgesetzten ist, bietet die Gilde oder der Clan der SL damit die einfachste Möglichkeit, Aufgaben zu erteilen, ohne dass die Charaktere Schultern zuckend den Plot ignorieren. Und der eigenen Familie zu einem höheren Status zu verhelfen und damit selbst gesellschaftlich aufzusteigen kann eine ebenso große Motivation darstellen.

Wie steht es mit der Charakterentwicklung?

Charaktere erhalten nach abgeschlossenen Szenarien Erfahrungspunkte, mit denen sie die eigenen Werte steigern können oder eben die der Gilde oder des Clans. Sie können damit neue Fähigkeiten erwerben und diese weiter individualisieren. Da mit jedem neuen Würfel die Erfolgswahrscheinlichkeit exponentiell steigt, gibt es aber nur wenige EP und einige optionale Möglichkeiten, das Steigern der Werte zu verlangsamen und damit auszubalancieren. Alternative Regeln zur EP-losen Steigerung sind aber ebenfalls vorgesehen.

Welchen Effekt soll Inyo auf die Spieler haben?

Zuerst einmal soll man die Geschichte der Welt immer wieder neu erleben können. Deshalb sind zwar bestimmte Dinge vorgegeben, es steht aber nicht fest, wie diese ausgehen. Wenn die Spieler möchten, können sie also einen solchen Anknüpfungspunkt nehmen und ihn aus verschiedenen Perspektiven spielen, jedes Mal mit einer neuen Fraktion oder einem anderen Schwerpunkt und einem anderen Ausgang. Sie können aber auch einen einzigen Weg wählen und ihre Charaktere durch all ihre Entscheidungen bis an ihr Lebensende begleiten. Die Spieler sollen das Gefühl haben, es sei ihre Welt, denn sie gestalten ihren Werdegang aktiv mit. Ich möchte aber auch, dass die Düsternis dieser Welt zu spüren ist. Nicht immer ist alles schwarz und weiß, jede Entscheidung kann auch Schattenseiten haben und nicht immer sind die Charaktere strahlende Helden. Die japanische Mythologie ist voll mit dramatischen Geschichten, die nicht gut ausgehen und auch die Charaktere werden nicht immer nur positive Ausgänge eines Abenteuers erleben.

Wer ist die Zielgruppe von Inyo?

Hauptsächlich sind es jene, die gerne eine asiatische Welt bespielen möchten. Das System selbst ist sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Die Grundregeln sind relativ einfach zu lernen und alle anderen regeln kann man im Spielverlauf nach und nach einbauen, sodass man sie Schritt für Schritt lernen kann.

Was hat Inyo, was andere Spiele nicht haben?

Auch wenn es in letzter Zeit ein wenig mehr in Mode gekommen ist, bietet Inyo eine asiatische Fantasywelt mit vollkommen neuen Spezies, die man spielen kann. Außerdem wird mit einem in Deutschland eher unterrepräsentierten Würfelsystem gespielt, das aber einige Vorteile hat – und ich selbst gehörte anfangs zu den Skeptikern! Es ist einfach zu verstehen und geht schnell. Besonders Kämpfe, selbst große Schlachten, können in wenigen Minuten abgehandelt werden. Daneben habe ich die Charaktereigenschaften und Identitäten aus Unknown Armies 3 genommen und auf die ORE angepasst. Dies erlaubt, den Charakter in wenigen Punkten und ohne große Hintergrundgeschichte stark auszudefinieren, da seine Motivationen klar sind und die Identitäten zeigen, wie er sich selbst sieht und was er kann.

Wie weit bist du mit dem Spiel?

Die Regeln stehen soweit fest. Aktuell sitze ich an der Ausgestaltung der verschiedenen Länder, um diese mit mehr Leben zu füllen und an die letzte Veränderung der Timeline anzupassen. Jede Region wird ihre Besonderheiten haben, die man auch ohne Zusatzbücher bereits ins Spiel einbauen kann. Bilder fehlen mir leider noch komplett, da ich selbst nicht malen kann und sich in meinem Freundeskreis kein Künstler finden lässt. Und Bilder zu kaufen kann ich mir derzeit leider nicht leisten.

Was sind die Ziele für die Veröffentlichung?

Ich würde eigentlich sehr gerne einen Kickstarter machen. Ich habe da schon einige Ideen, wie ich diesen zu einem tollen Event für alle machen kann, sodass es nicht langweilig wird und es jeden Tag etwas Neues zu entdecken gibt. Es würde mich freuen, mein eigenes Regelwerk selbst in den Händen halten zu können, illustriert, mit tollem Layout und in Farbe. Wenn das Regelwerk aber soweit fertig ist, werde ich mich erst einmal mit Greg Stolze in Verbindung setzen müssen, um das mit den Lizenzen zu klären. Immerhin habe ich die Regelmechaniken aus seinen Hauptwerken genommen und adaptiert. Wenn es hier zu Schwierigkeiten kommt, wird es wohl doch nur eine kostenlose PDF geben, was ich persönlich sehr schade fände.

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