Die Bestie im Moor – Teil 2 (English Eerie)

Hier folgt nun der zweite Teil des Einzelspieler RPGs in Tagebuchform. Wird Emmett die Bestie finden und stellen? Oder wird er bei der Suche zugrunde gehen?

Aus dem Tagebuch des Emmett Rutherford

Mittwoch, 22. August 1888

Nachdem ich im Haus nach dem Rechten gesehen und mich nach Christophs Zustand erkundet hatte, begab ich mich nochmals in den Wald, Richtung Moor, um nach dem Wesen, welches ich vor 2 Tagen gesichtet habe, zu finden.

Nicht nur der dicke, wabernden Nebel machte mein Vorankommen schwer, die Bäume selbst schienen mir im Weg zu stehen und raunten. Wisperten, flüsterten mir von meinem Versagen als Mann und Freund zu.

Träumte ich oder war ich mittlerweile selbst schon nahe am Zustand des Lords selbst, geistig umnachtet und heimgesucht von imaginären Bestien, die sich an meinem Verstand labten und immer mehr meiner selbst verschlangen?

Oder war der Nebel gar selbst die Bestie?

Meine Gedanken waren ohne Hoffnung, ohne Zuversicht und ohne Gewissheit was mich erwarten könnte oder würde.

Dort. Dort ist etwas. Eine krude Gestalt im Nebel, sie schleicht auf mich zu, geduckt oder gekrümmt. Sie setzt zum Sprung an. Zum Sprung auf meine Kehle. Den Spieß wie eine Lanze vor mich hertragend ramme ich diesen dem Unhold in die Kehle. Warmes Blut spritzt. Bringt meine Gedanken zurück. Die zuckende Gestalt krümmt und biegt sich, zerbricht den zur Lanze gewordenen Spieß und wälzt sich über den Boden.

Mich ergreift das Grauen als ich die Gestalt genauer betrachtete, welche in ihren Todeszuckungen allzu sehr an den verstorbenen Mr. Dougles erinnerte.

Es IST Mr.Dougles.

Jedoch mit verzerrter, hasserfüllter Fratze, wilder Gestik und glühenden, nicht menschlichen Augen.

Der Todestanz endet und ich kann kaum glauben, geschweigedenn verstehen was gerade passiert ist.


Donnerstag, 23. August 1888

Ich erwachte am Bett von Christoph, dieser schlief noch friedlich.

Wie ich hier hinkomme?

Ich erinnere mich nicht.

Es muss ein unwirklicher Traum gewesen sein. Mr. Dougles ist seit Tagen tot.

Eilend in den Keller, um dies zu überprüfen, muss ich erneut an meinem Verstand zweifeln. Von der Leiche keine Spur. Egal wo ich noch suchte.

Mrs. Bristol wirkt ebenso ratlos wie ich.

Von Ms. Enfield ebenso keine Spur. Verwirrt, verwundert und irritiert kehre ich zurück ins Gemach von Christoph. Dieser ist mittelweile wach, murmelt jedoch nur unverständliches Kauderwelsch vor sich hin. Seine Hände zeigen zu seinem Schreibtisch, die Gestik wirkt wie eine Aufforderung, erst jetzt erkenne ich, dass der Tisch beladen von mehreren Schriften ist.

Beim Betrachten dieser wirken sie alt, uralt und unleserlich. Eine fahrige, schiefe wie kleine Schrift, die die Buchstaben zu verschlucken scheint. Ich betrachte die kruden Texte länger und länger, kann jedoch keinen klaren Hinweis ausmachen.

Christoph winkt und gibt mir zu verstehen, die Schriften zu ihm zu bringen, mit leichtem Zögern setzte ich seinen Wunsch um, während er auf seinem Bett die Texte ordnet, (wenn auch für mich nicht erkennbar nach welchem Muster) erkenne ich erst jetzt, dass auf der Rückseite auf einem der Schriftstücke ein Zeitungsartikel zu finden ist.

Dieser berichtet von seltsamen Lichtern, die alle paar Jahre oder Jahrzehnten im oder über dem Wald hier in Derbyshire zu sehen sind, deren Quelle jedoch nicht aufzufinden ist. Ich zeige den Zeitungsausschnitt Christoph, welcher aus dem Fenster zum Himmelszelt über den Baumwipfeln des Golden Wood zeigt.


Donnerstag, 23. August 1888

Große Aufregung im Anwesen, Lord Cunningham ist nirgends aufzufinden.

Ms. Enfield ist ebenso verschwunden. Auch die Leiche des Butlers ist noch nicht wieder aufgefunden worden. Gemeinsam mit Mrs. Bristol finde ich Fußspuren, die in den Wald führen. Vom Fenster des Gemaches des Lords aus kann ich eine Vermutung bestätigen.

Die Spuren führen in dieselbe Richtung, in die Christopher selbst gestern gezeigt hat. Ich gehe diesen nach. In meinem Kopf spuken die Ereignisse der letzten Tage bei meinem Marsch durch den Wald, in den Nebel, den Spuren hinterher.

Ich verliere die Spuren.

Ich verliere mich im Halbschatten, des verwachsenen Waldes, dessen Bäume ihre Klauen nach mir ausstrecken.

Ich laufe, nein ich RENNE!

Dann ein Heulen.

Ein lautes, bedrohliches HEULEN.

Das eines Hundes?

Eines Wolfes?

Nein, ähnlich, aber anders.

Merkwürdiger.

Seltsamer.

Anders.

Ich folge dem Geräusch, dem Nachhall welches sich in meinen Gehörgang gebohrt hat.

Hier ist sie also abgeblieben. Ms. Enfield. Mitten im Wald, am Rande des Moors. Hier hat mich das Geheul hergelockt. Hier zu ihren, kalten, entstellten Überresten.

Der Hals hängt gebrochen zur Seite, die Augenhöhlen leer, die Beine ausgerissen, den Rücken zieren Krallenhiebe, die an die kruden, unleserlichen Schriften im Gemach des Lords erinnern.

Ich merke wie mir vor Trauer, salzige Tränen über das Gesicht rinnen, zu Boden fallen und gierig vom feuchten Boden, des böswilligen Moores aufgesogen werden.

Ich renne.

Aus Angst?

Aus Scham?

Aus Hilfslosigkeit?

Aus Furcht, genauso zu enden?

Ich renne und renne, keuchend stoße ich dabei den schweren Atem in die kalte Luft des Moores des Grauens aus.

Dann Dunkelheit.


Freitag, 24 August 1888

Dumpf, benommen, komme ich langsam zu mir und werde meiner Situation langsam bewusst.

Etwas schleift mich über den klammen, morastigen Boden.

Ein aufrecht gehender Wolf?

Nein das, kann nicht sein.

Nein, das ist kein Wolfsmensch.

Kein Werwolf. Das ist ein Mensch. In Fell gehüllt. Meine Fesseln lassen kaum Spielraum. Ich bocke mich auf, werfe mich zur Seite, aber habe kaum Kraft und bekomme Schläge zur Antwort.

Gnadenhafte Dunkelheit ergreift mich.

Erneut Schwärze.

Erwachen, die Fesseln sind lockerer. Aufbäume. Torkeln. Ja es gelingt, die Fesseln rutschen, ich sehe kaum etwas in diesem Dämmerlicht, kann jedoch erst eine, dann die andere Hand befreien, gefolgt von den Beinen. Und ich renne. Renne in die Finsternis des Waldes.

Ich stolpere, falle, verliere vollends das Gefühl für die Richtung. Das einzige, was zählt, ist Abstand gewinnen. Ich muss weg von diesem unheiligen, düsteren Ort, der meine Gedanken schwer macht und mit Grauen füllt.

Ich stolpere, torkle, stürze und raffe mich immer wieder auf und wieder und wieder.

Ich gewinne Abstand zu meinem Verfolger.

Moment, werde ich überhaupt verfolgt?

Ich weiß es nicht, aber ich habe das unbequeme Gefühl.

Auf mein Gefühl kann ich noch eher vertrauen als auf meinen Verstand.

Doch ich bin verloren im Nirgendwo des Moores… Irgendwann falle ich erschöpft, komplett ohne einen Funken Kraft in bodenlose Finsternis, welche die Tore zu meinen (Alp-)Träumen öffnet.


Samstag, 25. August 1888

Mein Verfolger hat mich eingeholt, es ist Mrs. Bristle oder zumindest etwas, was ihre Kleidung trägt und mich mit Krallen und Zähnen traktiert.

Mit allerletzter Kraft, Kämpfe ich und nutzte, was der Wald zu bieten hat. Steine und Stöcke fliegen und in einer Pfütze werde zuerst ich, dann es getaucht, getränkt und schließlich ertränkt.

Ich weiß nicht wie, aber das Wesen, das Ding bleibt regungslos mit der Fratze im Wasser liegen. Geschunden. Zerschunden erhebe ich mich. Meine Gedanken kreisen. Drehen überschlagenden Bahnen. Das macht alles keinen Sinn.

Ich erbreche Blut und brackiges Wasser. Alles dreht sich. Der Wald kreist um mich. Oder ich mich um den Wald?

Was ist das?

Licht?

Gleißendes goldenes Licht?

Ich höre ein Grollen, ein Schnauben und eine deformierte, monströse Bestie mit riesigen Augen schält sich aus der Dunkelheit.

Am Rande des gleißenden Lichts erkenne ich ein paar, wenige Details.

Von Lord Christopher Cunningham ist nicht mehr viel übrig, aber dieses Blitzen in den Augen, diese Wangenknochen, der Siegelring des Hauses Cunningham an der Pranke des Ungetüms.

Die Gewissheit, die mein Freund durch die Vorfälle im Moor selbst zu einem Monster wurde.

Ist es das Licht?

Das gleißende, güldene Licht wird heller, kräftiger und offenbart mir die ganze, schreckliche Gestalt meines einstigen Freundes.

Es ist zu viel für meinen Verstand, mein Geist zerbricht und taucht ein in die tiefen Gewässer des Wahnsinns. Schluckt das Grauen.

Fast dankbar bin ich für dieses Verlieren in mir selbst.


Sonntag, 26. August 1888

Die Realität auch nur einem Moment länger zu ertragen, mein Scheitern eingestehen, den Verlust vollends zu verstehen, hätte mich noch wahnsinniger werden lassen, als ich es bereits bin.

Nein, ich kann schon lange keine klaren Gedanken mehr fassen.

Ich hatte zu viel Grauen gesehen.

Ich hatte zu viel Grauen geschluckt.

Die schwarze Bestie jagt mein Ich, mein Rest selbst.

Gibt es einen Schuldigen?

Hätte ich irgendetwas bewirken können?

Was ist genau geschehen?

Ist Lord Christopher Cunningham wirklich zur Bestie geworden?

Gab es vorher schon eine Bestie?

Was ist mit dem Butler passiert?

Steckten alle Diener unter einer geheimnisvollen Decke?

Was ist dies Licht, dieses güldene Licht?

Ich verfasse diese Zeilen mit dem aller letzten Funken Verstand, den ich noch besitze.

Jedoch kann ich mich an kaum etwas erinnern, was ich zu Anfang der Reise bereits aufgeschrieben habe.

Nimmt mir das güldene Licht nicht nur den Verstand, sondern auch die Erinnerung?

Vielleicht vermagst du, Finder und Leser meines Tagebuches, diese Notizen hilfreich finden, um die Bestie im Moor zu stellen.

Denn ich vermag es nicht mehr, das Schreiben jedes Buchstabens fällt schwerer und schwerer, meine Hände gleichen nun eher Klauen, die Feder ist kaum zu halten und mein Blut wird weniger und kälter…

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