Die Bestie im Moor – Teil 1 (English Eerie)

English Eerie ist ein gruseliges Erzählspiel, das man alleine spielt. Als Reisender durch England führt man ein Tagebuch, trifft sonderbare Gestalten und erlebt Gruselgeschichten aus eigener Feder. Gespielt wird bei Kerzenlicht mit Karten, einem W10, Tagebuch und Spielsteinen.

Unser SL hat das System einmal getestet. Hier also der vom handschriftlich geführten Tagebuch übernommene Text seiner ersten Englisch Eerie Runde und dem Szenario „Die Bestie im Moor“. Viel Vergnügen beim Lesen der Erlebnisse von Emmet Rutherford.

Aus dem Tagebuch des Emmett Rutherford

Samstag, 18. August 1888

Wir schreiben das Jahr 1888, an einem verregneten Samstag im August, um genauer zu sein, breche ich, Emmet Rutherford, nach Derbyshire auf, um meinem guten, alten Freund Lord Christopher Cunningham aufzusuchen.

Die Kunde über seinen kränklichen Zustand und einer rapiden Verschlechterung seines Geisteszustandes versetzte mich in große Trauer und Besorgnis.

Vielleicht beruhigt sich sein Geist in der Gegenwart eines fürsorglichen Freundes.

Doch bei weitem hatte ich weder die Reise so beschwerlich in Erinnerung noch den Wald um das Herrenhaus von Christopher als so sinister, dicht und verworren. Nicht nur verirrte ich mich mehrfach, sondern verlor meine geliebte Reisetasche mit Mitbringsel sowie kleinen Geschenken an Christopher an einem steilen, rutschigen Abhang und voller Unglück an einen schauerlich, blubbernden Tümpel.

Es ist vielleicht nur übersteigerte Fantasie, jedoch wirkte es fast so, als ob DER WALD, mir diese Gegenstände entreißen wollte.

Endlich erreichte ich am Abend bei Zwielicht das Anwesen, auch wenn ich einen kleinen Schrecken beim Anblick des Herrenhauses und der Gartenanlage erlitt. Was einst so schön, gepflegt und strahlend erschien, wirkt nun eher trist, grau und ermattet.

Schlägt sich gar das Gemüt des Hausherren auf die Diener nieder? Ms. Enfield, eines der Dienstmädchen, empfing mich mit freudiger Stimme, gab mir jedoch zu denken, als sie mich humpelnd in das Gemacht meines Freundes brachte.

Nicht nur sie, sondern auch Mr. Dougles, der muskulös Butler des Hauses, schien verletzt, eine Bandage zierte seinen linken Arm. Ein betrübliches Ungeschick sei ihm am Morgen in der Küche passiert. Details werden verschwiegen.

Ich grüße Christoph überschwänglich, allerdings riss dieser die Augen bei meinem Anblick (oder war es der von Ms. Enfield), weit auf und warf ein Glas in unsere Richtung während er laut vor Angst schrie.

Mit mehr Glück als Geschick schubste ich Ms. Enfield zur Seite und warf mich zu Boden, das Glas zersplitterte hinter uns an der Tür und sprenkelte das Gemacht mit klirrenden Splittern.

Christoph schrie aus Leibeskräften, ich verstand nicht viel. Die Worte, grauenhafte Geräusche, seltsame Lichter und Moorgestalten konnte ich mehr schlecht als recht vernehmen.

Dann wurde sein Blick klarer und er sprach mich direkt an: „Emmett, ich sah das Grauen, das Verderben, den Untergang.“

Um ihn zu beruhigen, tauschte ich mit ihm Worte über alte, vergangen aber glückliche Zeiten aus.

Seine Fassung kehrte nach und nach zurück und mein bewusstes Ignorieren seiner Fantastereien schien der richtige Weg zu sein. Stunden vergingen, in den der Arme immer wieder Angstzustände durchlitt, doch hatte ich den Eindruck, meine Gegenwart hebt zumindest zeitweise seinen Gemütszustand.

Zu später Stunde entließ er mich mit den Worten: „Das Grauen, DIE BESTIE, sie wird auch dich heimsuchen teuerster Freund!“.


Sonntag, 19. August 1888

Schreie weckten mich aus dunklen, trüben und erdrückenden Traumgespinsten. Weibliche Schreie, die von Ms. Enfield. In voller Eile, wenn auch im Halbschlaf, suchte ich die Geräuschquelle auf und fand zu meinem Entsetzen Ms. Enfield in der Halle des Hauses auf dem Boden liegend, die Finger zur Decke streckend.

Mein Blick folgte der Richtung und entdeckte den zuckenden Körper von Mr. Dougles, welcher an einem Balken hing und wie ein Pendel grotesk hin und her schwang.

Auch Mrs. Bristle, die älteste der Bediensteten, tauchte nun auf und gemeinsam versuchten wir den leidenden, zuckenden wie blau angelaufenen Butler von der Decke zu holen.

Das Schreien von Mrs. Enfield, die hektischen Bewegungen von Mrs. Bristle und der schwingende Körper von Mr. Dougles machten die Rettungsaktion zu einem schwierigen Unterfangen, welches äußerst morbide endete.

Der befreite, jedoch schlaffe Körper des Butlers fiel schmerzhaft auf meine Beine. Christopher selbst war mittlerweile in die Halle gekrochen und wiederholte beim Anblick des verstorbenen Mannes, dem ich nicht schnell genug helfen konnte, immer wieder: „Er hat es auch gesehen, er hat das Grauen erblickt und suchte einen Ausweg!“

Mit schmerzenden Beinen und erschöpften Kräften von der misslungenen Rettungsaktion gelang es mir irgendwie, Ms. Enfield und Mrs. Bristol zu beruhigen, den Leichnam (vorerst) in den Keller zu schaffen und Christopher wieder zurück ins Bett zu bringen.

Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Erschöpft sank ich wieder zurück ins Bett, nur dumpf bekam ich noch mit wie sich jemand an meinem Bein zu schaffen macht. Bestimmt Mrs. Bristol die nach einer Verletzung sieh oder etwas zur Kühlung aufträgt. Mit Tränen in den Augen (aus Schmerz oder Trauer oder beiden, auch hier bin ich mir nicht mehr sicher), dämmerte ich ein und mein Geist wanderte in das Reich der Träume.


Montag, 20. August 1888

Montag, mein Lieblingstag. Ausgeruht, von den Schrecken des Vortages etwas erholt, sah ich nach dem mitgenommenen Personal und meinem Freund selbst.

Christoph schlief den Großteil des Tages, Ms. Enfield war sehr in sich gekehrt und Mrs. Bristol äußerst beschäftigt, keiner wollte über den Vorfall sprechen, nur Schweigen oder nach Aufforderung beten.

Der Tod des Butlers müsse auch noch gemeldet werden, allerdings eilte es unter den gegebenen Umständen auch nicht.

Doch was hatte Mr. Dougles zu dieser Verzweiflungstat getrieben?

Ich unternahm einen Spaziergang in das einst so stolze Herrenhaus, der Wald schien nun noch düsterer und beklemmender als zuvor.

Bei der Rückkehr entdeckte ich Kratzspuren an der Haustür.

Ein Raubtier?

Eine große Katze vielleicht?

Waren die Spuren bereits bei meiner Ankunft vorhanden?

War ich zu sehr abgelenkt durch die Reise?

Sofort fielen mir die Worte des Lords ein. Das Grauen. Die Bestie.

Könnte es diese gar wirklich geben und nicht bloße Spinnereien sein?

Ich musste meinen schweifenden Gedanken Einhalt gebieten und legte mich die Nacht auf die Lauer. Es fiel erschreckend schwer, wach zu bleiben und meine Sinne oder der Verstand spielten mir Streiche.

Hier ein Licht, Glimmen, Glühen oder Leuchten im Wald, das sich beim Nachsehen als nichts, als reine Übermüdung oder Hirngespinst herausstellte.

Doch dann, nach Stunden des Wartens, Ausharren und Hoffens sah ich etwas.

Etwas Großes, Flinkes, Wendiges mit glimmenden wilden Augen, welche mir einen lähmenden Schrecken versetzten, um das Haus wanderten und dann im nahen Moor verschwanden.

Ich traute mich erst gut eine Stunde später aus meinem kleinen Verschlag, der mir als Versteck diente.

Aufgeregt und mit pochendem Herzen konnte ich mich nicht entscheiden, was ich tun soll, beschlossen jedoch nach einigem Nachdenken, die Spur des Wesens am Tage bei Sonnenlicht zu verfolgen.

Ein letzter Blick in Christophers Gemach gab mir so weit Sicherheit, die gute Mrs. Bristle wachte an seinem Bette gut über ihn. Jedoch überkam mich ein kurzes Schauern, als ich zurück in mein Gemach kehrte, um endlich den Schlaf der Gerechten anzutreten. Diese wilden, glühenden Augen.

Hatte ich sie schon zur gesehen?

Werden sie mich genauso wie Christoph in den Wahn treiben?

Unruhig, voller Sorgen schlief ich voller Erschöpfung ein.


Dienstag, 21. August 1888

Beim Frühstück offerierte ich Mrs. Bristol meine Beobachtung der letzten Nacht und heute Morgen das Moor aufzusuchen, bewaffnet mit einem alten Spieß, den ich Garten gefunden hatte und meinem Mut, aufzudecken, was das Haus Cunningham bedroht und Christoph so zusetzt.

Mrs. flehte mich an, nicht in das gefährliche Moor zu gehen und wollte mir die Idee ausreden, jedoch ließ ich nicht von meinem Vorhaben ab. Die herzensgute Dienerin stellte sich mir sogar in den Weg und blockierte die Haustür, ihre Stimme wurde dabei immer flehender, klagender und weinerlicher.

Es war kein leichtes, sie davon zu überzeugen, dass es sein MUSS.

Ich kann letzte Nacht nicht einfach vergessen kann und sehe keinen Weg zu helfen.

Nach fast einer Stunde des Debattierens gab sie endlich nach und kümmerte sich um den Lord, der wieder anfing, zu schreien.

Bewaffnet mit meiner Entschlossenheit, dem Willen zu helfen und einem alten, hölzernen Spieß in der Hand brach ich in Richtung Moor auf, welches mich mit kaltem, dichtem Nebel empfing.

Der Weg im Moor war beschwerlich und geprägt von einem monotonen, trostlosen Anblick, dem Fehlen von Farbe und omnipräsenter Kälte und Nässe. Stunden vergingen, doch eine weitere Spur oder Anhaltspunkt war nicht auszumachen.

Enttäuscht, mit herabhängenden Schultern und Haupt kehrte ich zurück zum Anwesen. Zu wissen, nichts vollbracht zu haben und auch nicht an der Seite meines leidenden Freundes gewesen zu sein, entmutigte mich.

Hatte ich bisher überhaupt etwas erreicht seitdem ich aufgebrochen bin, um beizustehen?

Der Zweifel nagte an mir oder war es „nur“ Selbstzweifel, mein eigenes Eingeständnis, hatte ich mich doch kaum um Christopher selbst gekümmert.

War ich nicht deswegen hier?

Mrs. Bristol und Ms. Enfield empfingen mich weinend und mein Blick fiel sofort auf den blutenden Verband an Ms. Enfields Rücken. Zuerst gab sie an, unglücklich gestürzt zu sein, dann, dass sie etwas im Wald angefallen oder eher angegriffen habe, sie konnte es nicht genau sehen. Es muss ein wildes Tier gewesen sein.

Das Gespräch verlief sehr zäh, beide schienen mehr zu wissen, wollten dies jedoch nicht offenlegen. Christoph selbst wirkte, als ich ihn aufsuchte, sehr abwesend.

Voller Sorgen begab ich mich zu Bett, die Schwere meiner Decke wirkte wie eine Last.

Eine Bürde. Die Verantwortung, die auf mir lag, war erdrückend.

Hat sich so der Butler vor seinem Ende gefühlt?

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