Ein aufregendes Neujahr (Inyo)

Dieses Testszenario für Inyo fand vor einigen Jahren statt, daher sind die Namen der Clans noch etwas anders und das Setting ist noch nicht ganz so asiatisch wie aktuell.

Die Charaktere

Li Jiebo: Ein Wasserimani (Imani sind Mischwesen aus Mensch und Phönix, sie haben kleine Flügel und Züge eines Elementes) und -magier, dessen Rückengefieder dauerhaft nass ist, weshalb er immer leicht verschnupft wirkt. Der junge Magier leidet unter Epilepsie. Er hat kürzlich seinen Abschluss gemacht und befindet sich nun auf einer einjährigen Reise, um Erfahrungen zu sammeln.

Hotaru: Ein 16jähriger, menschlicher Alorpriester (Alor ist der Gott der Sonne) mit kurzem, schwarzem Haar. Nachdem er für 12 Stunden in die Sonne geschaut hat, lässt sein Augenlicht etwas zu wünschen übrig, dafür hat er aber sehr viel Glück.

Sakura: Eine Menschenfrau und Luftmagierin, die vor 8 Jahren ihr Gedächtnis verlor und sich irgendwie in den Garten der Mao-Familie (eine Art niederer Clan oder kleines Adelshaus) verirrte. Dort wurde sie erst zur Kindeserziehung und später zur Spionage eingesetzt.

Tetsuya: Ein menschlicher Dieb mit vielen Kontakten. Mit seinem roten Haar fällt er ziemlich auf, aber das macht ihm nichts aus. Er ist über alle Maßen neugierig und spielsüchtig.

Die Geschichte

Yindai

Die Stadt Yindai liegt im Norden des Landes und an der Grenze zum Zimenland. Ein Gewirr aus Flüssen, die sich stetig ineinander verzweigen, bildet die natürliche Grenze zwischen den Ländern, der Geruch von Fisch ist allgegenwärtig, vor allem im Hafenviertel. Einst ein Bollwerk gegen die verachteten Ausländer ist Yindai heute eine Handelsstadt, in der ein Großteil des zimenländischen Weins verbleibt. Vor allem liebt man aber Azphai, ein süßliches Alkoholgetränk mit der Farbe von Kirschblüten. Sake ist ja schön und gut, aber diese Feuerländer wissen, was richtig reinhaut!
Wenige Kilometer von der Stadt entfernt steht ein Magierturm, sodass man hin und wieder einige Jungmagier zu Besuch sieht, doch ansonsten gibt es nur wenige Magier oder Gelehrte in Yindai und auch die Bibliothek ist nicht sonderlich groß oder beeindruckend. Beeindruckend ist dagegen die Anzahl an Händlern und Handwerkern, die sich auf den Bau von Booten und Schiffen spezialisiert haben.

Die Regierung der Stadt obliegt nicht der Lung-Familie, die sonst meistens für diese Arbeit zuständig ist, sondern der Arik-Familie, deren Spezialität Handel und Diplomatie sind. So sind grün und grau die Farben der Stadt und der Elefant, das Familienwappen, ist allgegenwärtig. Die Regentin ist Ijang-Iari Arik, die immer ihren Berater, den roten Drachen Bao an ihrer Seite hat. Die anderen Familien sind nur zu geringen Teilen in der Stadt vertreten, unter anderem auch die Mao- und die Kogetsu-Familie. Beides sind nur Kleinfamilien, deren Aufgabe es ist, den Großfamilien zu dienen. Die Mao-Familie ist für Spionagearbeiten und die Verfolgung kleinerer Verbrecher zuständig, das städtische Familienoberhaupt ist Kitzu Mao. Die Kogetsu-Familie ist sehr klein und Yindai ist derzeit der Sitz ihrer Hauptfamilie. Aktuelles Oberhaupt ist Hitomi Kogetsu, eine in die Jahre gekommene Frau, die gerade ihre einzige Tochter Sayuri darauf vorbereitet, in ihre Fußstapfen zu treten.

Wiedersehen bei Neujahr

Es ist Neujahrsabend, die Straßen sind von einer leichten Schneedecke bedeckt. Die Gruppe kennt sich untereinander recht gut. Ihr gemeinsamer Freund, der Magier Ishan-Li, ist in Yindai zu Besuch, um mit ihnen das heutige Neujahrsfest zu begehen und seinen Geburtstag nachzufeiern. Er hat seine 12jährige Schülerin Minako, ein grimmiges, stilles Mädchen, dabei und große Neuigkeiten zu verkünden. Auf dem Weg zum Teehaus Shobu, wohin er seine Freunde eingeladen hat, lässt Tetsuya ein Stand nicht in Ruhe: Er will unbedingt einen Goldfisch fangen, doch das dünne Papiernetz reißt immer wieder und er gibt frustriert auf. Nach und nach kommen alle in der Wasserlilie an, wo Ishan bereits auf sie wartet und freudig begrüßt. Die anderen haben nicht viel Neues zu erzählen, nur Tetsuya warnt vor dem Fischstand, da er meint, das Spiel sei manipuliert.

Ishan selbst dagegen hat Wichtiges zu verkünden: Beim Stöbern in einer Bibliothek ist er auf ein altes Dokument gestoßen, welches wohl ausversehen hinter die Bücher gefallen ist und vergessen wurde. Dort war die Rede von einem riesigen Artefakt, welches in den Bergen im Osten verborgen ist. Leider war das Dokument unvollständig, sodass er nicht weiß, worum es sich handelt, nur, dass es mit Runen beschriftet ist, die der Sprache der Drachen ähneln, aber irgendwie auch anders sind – eine alte Form vielleicht. Er will in einigen Tagen aufbrechen und mit seiner Schülerin eine Expedition starten. Jiebo ist natürlich sofort Feuer und Flamme und will unbedingt mit. Die anderen schließen sich dem schnell an und befeuern den Magier mit Fragen über Details.

Nach einem Tee und einem kleinen Gespräch über die Vorbereitungen zieht die kleine Gruppe ein wenig durch die Stadt, um noch etwas Spaß zu haben. Tetsuya versucht sich noch an dem ein oder anderen Spiel, allerdings eher erfolglos. Dann fällt Ishan plötzlich auf, dass Minako nicht mehr da ist. Natürlich will die Gruppe sofort beim Suchen helfen. Hotaru sieht ein Mädchen, dass Minako ähnelt und rennt behende hinterher, während Tetsuya auf seine Kontakte mit den Stadtkindern zurückgreift. Er bittet sie, das Mädchen zu suchen und verspricht dem, der es findet, einen Goldfisch. Den muss er dann natürlich erstmal fangen und bittet hierfür Sakura um Hilfe: Er will den Budenbetreiber ablenken, während sie ihr Glück versucht. Tatsächlich hat die Frau Glück und fängt einen besonders hübschen Fisch, den Tetsuya anschließend hochhält, damit die Kinder ihn auch sehen können und motiviert sind. Hotaru hat derweil kein Glück, es war das falsche Mädchen. Die Gruppe versammelt sich in einer ruhigeren Straße und Ishan erklärt, er wolle kurz den Weg zurückgehen, um zu schauen, ob sich Minako vielleicht noch an einem der Stände aufhält. Er bittet die anderen, hier zu warten, damit sie sich nicht alle verlieren, dann verschwindet er in der Menge.

Im Auftrag der Clans-Erbin

Nach ein paar Minuten des Wartens tritt eine Frau aus einem Tor in der Nähe. Die Freunde erkennen sie sofort als Sayuri Kogetsu, die Erbin der Kogetsu-Familie. Li-Jiebo bekommt einen gewaltigen Schock und bricht in einem Anfall zusammen, Hotaru kann ihn allerdings schnell stabilisieren. Leicht irritiert, aber in Nöten und den Vorfall deshalb ignorierend, richtet sich Sayuri an Hotaru, der als Priester vertrauenswürdig ist und den höchsten Stand in der Gruppe einnimmt und bittet ihn um Hilfe. Dass zwei Magier dabei sind, kommt ihr gerade recht, denn sie vermutet, dass ein Zauber auf dem Familienschrein lastet: Ein seltsamer Nebel liegt über dem kleinen Gebäude und jeder in der Nähe ist plötzlich eingeschlafen. Kurz wird diskutiert, ob man Ishan eine Nachricht hinterlassen soll, deshalb schickt Tetsuya eins der Straßenkinder los.

Dann betreten sie das Anwesen, wo alles ungewöhnlich ruhig ist. Sayuri wird etwas nervös, aber es hilft nichts. Als die Gruppe das Hauptgebäude betreten will, springt ihnen eine Kreatur in den Weg. Größer als ein Mensch, mit dem Körper eines Panthers, dem Schwanz eines Skorpions und gefiederten Schwingen, einem glimmenden Maul, sowie Armreifen und Halsketten ist der Mantigiar eine beeindruckende Erscheinung, die bei Li-Jiebo einen erneuten Anfall auslöst. Die anderen erkennen derweil, dass es ein magisches Wesen ist und Sayuri erklärt, dass es der Hauswächter sei, den ihr Magier beschworen hätte. Er dürfe sich ihr aber eigentlich nicht in den Weg stellen. Auf die Frage, was das Wesen wolle, antwortet es: „Bringt mir Wasser, das aufwärts geflossen ist.“ Die Gruppe schaut sich um. In direkter Nähe gibt es einen Springbrunnen, der aber gerade nicht funktioniert, in einiger Entfernung gibt es außerdem einen Brunnen. Diese offensichtlichen Lösungen lässt man allerdings links liegen, stattdessen schnappt sich Hotaru den sich gerade erholenden Jiebo und hebt ihn ruckartig in die Höhe, sodass das Wasser, das er dauernd produziert, nach oben schwappt. Der Mantigiar lässt sie passieren und Tetsuya drückt Sakura den Goldfisch in die Hand, damit sie darauf aufpasst.

Das verrückte Haus

Sobald sie einen Fuß ins Haus setzen, befällt alle das Gefühl, nicht mehr hinaus zu wollen. Einer fühlt sich beobachtet, ein anderer hört Stimmen, obwohl niemand da ist. Nicht einmal die Diener, die sonst geschäftig umherlaufen, sind zugegen. Jiebo wittert eine Falle, liest Sayuris Gedanken und erkennt dabei, dass sie ebenso verwirrt und verängstigt ist wie die Gruppe selbst – das wiederum irritiert Jiebo, dessen Verdacht, einer Art fleischfressender Pflanze, die Sayuri als Köder benutzt, ins Netz zu gehen, sich damit als falsch erweist. Ab diesem Moment beginnt eine Art Magie auf die Gruppe zu wirken, die sie dazu bringt, merkwürdige Dinge zu tun. Man bewegt sich vorsichtig weiter, als Jiebo ein Gedicht durch den Kopf schießt, welches er sogleich den anderen vorträgt:

Ich will ein Feuerkracher sein!
und Funken in die Nacht entsenden
doch was ich bin, das ist ein Kind
mit Licht und Lachen in den Händen

Hier springt’s – da knallt’s!
Glaubst Du: Ein Wunsch kann sterben?
Kann die Sonne dann verlöschen
und es darf dennoch morgen werden?

Tetsuya schleicht voraus und trifft nun tatsächlich auf Personen: Zwei Wachen, die völlig reglos dastehen. Zwar kann Jiebo den Zauber lösen, doch nicht lange. Immer wieder verfallen die beiden Männer in Starre. Angesichts der möglichen, drohenden Gefahr schleppt der Magier sie aber mit und entzaubert sie alle paar Minuten wieder. In einem Raum hören sie schließlich Geräusche. Sakura schiebt die Tür zur Seite und sieht zwei Personen, die sich mit Trinksprüchen zuprosten, trinken und sich wieder neu einschenken. Dies wiederholt sich dauerhaft, auch als die Frau ihnen die Sakeflasche wegnimmt. Beim Weitergehen befällt Tetsuya plötzlich das unbändige Verlangen, Verstecken zu spielen. Dabei ist er nicht einmal richtig gut und versteckt sich hinter einer Pflanze, durch die sein rotes Haar deutlich sichtbar hindurchscheint, glaubt aber kichernd, er sei perfekt verborgen. Einen weiteren Raum inspizieren die anderen dann noch, die überhaupt keine Energie auf die Suche nach Tetsuya aufwenden, welcher natürlich protestiert. In diesem Raum badet jemand, was sie aber ignorieren. Auch andere Räume betreten sie nicht mehr. Sakura hat derweil das Bedürfnis bekommen, zu trinken. Recht zügig leert sie den Sake, den sie den Verzauberten abgenommen hat, in der anderen Händ hält sie noch immer die Tüte mit dem Goldfisch.

Kampf um den Familienbaum

Dann geht es durch den Garten, der eigentlich recht gepflegt aussieht. Nur ein großer, einst wohl prächtiger Baum, sieht aus, als sei er schon seit vielen Jahren tot. Dies erschüttert Sayuri zutiefst, denn vorhinwar er noch gesund. Jiebo friert erst einmal den restlichen Sake ein, woraufhin die beschwipste Frau eine Diskussion über Kindererziehung anfängt und Hotaru, vom Schalk besessen, einen Steinkreis um die anderen legt. Der Wassermagier spürt derweil, dass machtvolle Äthermagie auf dem toten Baum liegt. Hotaru versucht zunächst, die anderen zu überzeugen, den Kreis nicht zu verlassen, gibt jedem einen Stein und bittet sie, diesen zu streicheln, doch die anderen ignorieren ihn und gehen weiter zum Schrein.

Im Inneren finden sie den Rest der Familie, der wie beim Essen zusammensitzt und auch so agiert, als würden sie speisen, obwohl sie nur Luft vor sich haben. Als die Gruppe eintritt, drehen sie synchron den Kopf herum und sprechen: „Zurück bitte Baum helft unseren uns wollen sie wir haben weggenommen uns Baum unseren.“ Trotz des Wirrwarrs ist die Botschaft recht klar, Tetsuya entschlüsselt sie als: Bitte helft uns. Sie haben uns unseren Baum weggenommen. Wir wollen unseren Baum zurück. Nun ist klar: Es leben tatsächlich Ätherwesen im Baum und irgendetwas, vermutlich andere ihrer Art, haben sie vertrieben. Jiebo und Sakura beschließen, gemeinsam mittels der Fertigkeit Zauber lösen die Kreaturen aus dem Baum zu vertreiben. Tatsächlich überzieht sich der Baum daraufhin mit Spinnweben, an denen Tau und Eis hängen und ein Haufen großer Spinnenwesen, ebenfalls aus Eis und Schnee bestehend, fällt sie an.

Es kurzer Kampf folgt, den die Gruppe rasch für sich entscheidet. Der Nebel um den Schrein lichtet sich und fährt in den befreiten Baum ein, der langsam seine alte Gestalt zurückerlangt. Auch die Lust daran, Streiche zu spielen und seltsame Dinge zu tun, fällt von allen ab. Sayuri bedankt sich, lässt die Wunden ihrer Helfer behandeln und bittet sie, am folgenden Tag zurückzukehren, um ihre Belohnung in Empfang zu nehmen. Dann verlässt die Gruppe das Grundstück für die Nacht.

Von einem der Straßenjungen erfahren sie, wo sie Ishan finden, der sich dann natürlich ärgert, dass er nicht dabei war. Diese Wesen hätte er zu gerne gesehen! Seine Schülerin hat er als Strafe für ihre Unachtsamkeit aufs Zimmer geschickt und lässt sich auch nicht überzeugen, sie gehen zu lassen. Natürlich kann Tetsuya das nicht darauf beruhen lassen und er beauftragt den Jungen von eben, der gleichaltrigen Minako heute Nacht Gesellschaft zu leisten.

Am nächsten Tag erhalten sie dann von Sayuri jeweils 500 Cari, was eine Menge Geld ist, sowie das Angebot, für sie zu arbeiten. Eine große Ehre, die keiner abschlagen will und die erste Aufgabe hört sich durchaus machbar an: Sayuri muss einen Ehemann wählen und möchte deshalb, dass die Gruppe einen Test für die Kandidaten entwirft, um ihr die Auswahl zu erleichtern. Allein für Sakura wird es etwas schwieriger, da sie bereits im Dienste einer Familie steht, doch das will Sayuri in die Hand nehmen.

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das Szenario schon ein paar Jahre alt und ist in vielen Dingen in die Jahre gekommen. Trotzdem wollte ich es noch einmal präsentieren, um die Welt meines Systems bzw. auch den Wandel zu zeigen, den sie seitdem vollzogen hat. Vor allem die vielen Standard-Fantasy-Elemente von damals sind mittlerweile aus dem Setting entfallen und verschiedene Spezies wie die Imani haben sich stark verändert.

Das Szenario diente als Start für eine Kurzkampagne, in der man die zukünftige Arbeitgeberin Sayuri kennenlernen sollte. Außerdem wollte ich die Regeln für Hordenkämpfe testen, habe allerdings sehr schlecht gewürfelt, wodurch der Kampf schnell entschieden war.

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