Was ist „Aeon Trespass Odyssee“?

Ein neuer Boardgame-Kickstarter macht seit dem 9.9. von sich reden. Ein kleines Projekt, das an KDM heranreichen könnte. Alles nur leere Versprechungen oder steckt doch mehr dahinter?

Worum geht es?

Eine Katastrophe, Eschaton genannt, gigantischen Ausmaßes hat die Götter im Olymp getötet. Grauenhafte Wesen, die Primordials, sind an ihrer Stelle aufgetaucht und verwüsten Griechenland. Die Spieler schlüpfen nun, 10 Jahre später, in die Rolle von Argonauten, die ihre Erinnerungen verloren haben. Es liegt an ihnen, die eigene Vergangenheit aufzudecken und die Primordials zu bekämpfen. Wie? Mit riesenhaften Titanen, in deren Körper sie schlüpfen und steuern. Titanen, welche ganze Schiffe als Schilde und Bäume als Keulen benutzen.

Wie funktioniert das Spiel?

Exploration

ATO ist eine Mischung aus Exploration und Kampf. Man hat verschiedene Argonauten zur Auswahl, welche jeweils einen kleinen Bonus auf einen bestimmten Wert haben. Man fährt mit der Argo, einem großen Schiff, das gleichzeitig als Siedlung fungiert, herum und deckt neue Teile der Weltkarte auf. Hierbei sammelt man Ressourcen und kann kleine Events oder sogar Sidequests freischalten. Mit den Ressourcen kann man entweder die Argo weiter ausbauen oder Titanen erschaffen und verbessern. Im Kampf wählt dann jeder Argonaut einen Titanen – es muss nicht jedes Mal derselbe sein, man kann auch wechseln. Jeder Titan besitzt eigene Stärken und Schwächen, die mit den Werten des jeweiligen Argonauten kombiniert werden. Wird der Titan besiegt oder nimmt zu viel Schaden, kann sich der Argonaut retten und man muss den Titanen reparieren oder komplett neu bauen.

Immer wieder wird man vor Entscheidungen gestellt, beispielsweise, ob man bei einer Belagerung der Stadt oder den Belagerern hilft, einen Tempel für seine Ressourcen abbaut oder ihn zur Anbetung der alten Götter nutzt, usw. Jede Entscheidung hat Einfluss auf die Interaktion mit dem Gebiet. Baut man den Tempel ab, kann man später keine Segen mehr empfangen, hilft man der Stadt bei der Belagerung nicht, wird man hier niemals Verbündete finden.

Zum Merken bestimmter Entscheidungen gibt es die sogenannte Choice-Matrix, in der man verschiedene Kästchen ankreuzen kann (A1, A2, B6, etc.). Alles, was angekreuzt oder nicht angekreuzt ist, kann dann auch weitere Events einen Einfluss haben und zusätzliche Optionen freischalten.

Kampf

Besonders interessant ist das Kampfsystem. Man hat 3 Werte, die mit dem sogenannten Triskelion dargestellt werden: Rage, Danger und Fate. Statt Lebenspunkte zu verlieren, wenn man Schaden nimmt, steigt der Danger-Wert um 1. Mit jedem Anstieg werden neue, stärkere Aktionen für den Titanen freigeschaltet, erreicht er jedoch einen Wert von 9, ist man besiegt.

Jedes Mal, wenn man angreift, steigt der Rage-Wert und man kann stärkere Attacken ausführen. Erreicht man Rage 9, verliert der Argonaut die Kontrolle über den Titanen.

Zudem kann man jederzeit entscheiden, einen oder mehrere Würfel neu zu würfeln, um ein besseres Ergebnis zu erzielen. Für jeden Würfel steigt der Fate-Wert und viele Attacken der Primordials fügen mehr Schaden zu, wenn man einen höheren Fate-Wert hat. Erreicht man Fate 9, wendet sich das Schicksal gegen den Titanen, Argonauten oder gar gegen die Argo selbst. Es ist also stets wichtig, eine gewisse Balance zu halten.

Die Primordials besitzen ein AI-Deck und ein BP-Deck (Body Part). Body Parts haben oftmals ein sogenannten Aeon Tresspass Field (AT-Field für NGE Kenner), welches als Rüstung fungiert. Je nachdem, ob man verwundet, kritisch verwundet oder der Angriff fehlschlägt, zeigt die BP-Karte verschiedene Reaktionen des Primordials. Nach einem gelungenen Treffer wird dann eine AI-Karte ausgetauscht. Es gibt nämlich AI-Karten mit 3 verschiedenen Leveln. Eine Level 1 Karte wird gegen eine mit Level 2 ausgetauscht, Level 2 mit Level 3. So wird auch der Gegner durch jede Attacke stärker und der Kampf immer epischer und gefährlicher. Die Primordials werden aber auch generell mit jedem Kampf stärker, sodass es sich nicht immer lohnt, mehrmals hintereinander gegen ein und denselben zu kämpfen.

Daneben gibt es noch weitere interessante Kampfoptionen, beispielsweise das dynamische Wechseln von Waffen oder das Springen auf befreundete Titanen oder gegnerische Primordials, um Sprungattacken auszuführen.

Was bekomme ich für mein Geld?

Bedenklich viel, würde ich sagen. Umgerechnet 118 Euro kostet das Core, welches 3 Kampagnen mit über 200 Stunden Spielzeit (ca. 50-60 Stunden pro Cycle), mehr als 1500 Karten, über 200 Tokens, einer wandelbaren Worldmap und mehr als 24 unique Miniaturen enthält. Über verschiedene Stretchgoals kommen weitere Karten, Ausrüstungen, Technologien, Events und Miniaturen wie beispielsweise die Gottformen der Titanen hinzu. Neben Stretchgoals gibt es tägliche Unlocks und das Nymphen-Bingo, bei der über Social Media Nymphen-Events freigeschaltet werden. Der Preis wird zum Teil über einige frühere Kickstarter getragen und die Entwickler wollten den Einstiegspreis für alle Backer so gering wie möglich halten. Ich hoffe sehr, dass sie sich nicht verkalkuliert haben und sich durch den niedrigen Preis in den Ruin treiben. Im Pledge Manager wird der preis für das Core höchtwahrscheinlich höher liegen und ein Verkauf im Retail ist sehr unwahrscheinlich.

Für ca. 90 Euro kann man sich eine vierte Kampagne dazukaufen, welche 3 neue Titanen und 3 neue Primordials sowie eine neue Map einführt. Hier führt das Meer die Argonauten nach Babylon.

Backer der ersten 24 haben ihn umsonst bekommen, alle anderen können ihn für 9$ dazukaufen: Den auf einem Schiff surfenden/reitenden Gamechanger Titan.

Wer zum Bemalen oder für die Vitrine oder als Ersatz ein zweites Set an Miniaturen haben möchte, kann dies für 79$ zu seinem Pledge hinzufügen.

39$ kostet es, wenn man statt der papierdünnen Maptile lieber stabile Papp-Tiles haben möchte.

Und für 19$ kann man sich ein zweites Set Würfel dazukaufen.

Fazit

Auch wenn man in einigen Foren immer wieder liest, das Spiel sei ein Plagiat zu KDM, ist das definitiv nicht der Fall. Es sind ein paar Elemente davon zu finden, aber ATO geht auch seinen eigenen Weg. Das umgekehrte Kampfsystem ist vermutlich ein Unikat, welches es so noch nicht gegeben hat und nahezu Anime-artige Kämpfe ermöglicht. Die lebendige Welt, welche sich mit den Entscheidungen der Spieler formt, ist ebenfalls ein aktuell sehr beliebtes Konzept, welches sich bei KDM so nicht findet.

Wer die griechische Mythologie liebt, Pacific Rim, Neon Genesis Evangelion oder andere Mecha-Animes liebt, lebendige Welten feiert oder harsche, düstere Apokalypsenwelten gerne bespielt, der sollte definitiv einen Blick riskieren. ATO hat das Potential, ein fantastisches Spiel zu werden, auch wenn die Auslieferung noch 2 oder 3 Jahre auf sich warten lässt.

Eine besonders detaillierte Zusammenfassung des Spiels mit weiteren Facetten findet ihr übrigens beim Youtuber The King of Average. Und vom KDM-bekannten Fen gibt es eine schöne Kampfübersicht.

Der Kickstarter ist unter dem folgenden Link zu finden: Link.

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