Two Ravens – Erschaffung (Unknown Armies)

Da wir nach Abschluss von Scenic Dunnsmouth vermutlich eine vorgefertigte UA 3 Kampagne beginnen wollen, ist ein kleiner Rückblick auf unsere erste richtige UA 3 Kampagne ganz nett.

Jeder hat sich bereits im Vorfeld viele Gedanken gemacht und es zeigte sich eine etwas andere Einstellung als in der vorangegangenen Gruppe. Die hatte sich ja kaum Gedanken über Charaktere, Ziele und so weiter gemacht. In der aktuellen Runde standen die meisten Charakterkonzepte schon zu Beginn mehr oder weniger fest. Jeder hatte sich mindestens zwei Ideen zurechtgelegt und wir wollten auch gleich zu Anfang schon kommunizieren, wer nun was macht. Das ist allerdings nicht von UA vorgesehen.

Wer und Was? – Die Kabale und ihre Ziele

Stattdessen ging es los mit dem Ersten Schritt: Das Wer und Was. Hier durften wir zuallererst festlegen, was für eine Kabale wir sein wollen. Wie heißen wir und was ist unser Ziel. Die ersten Vorschläge waren Artefaktjäger, Übernahme einer anderen Kabale, die Herrschaft der Katzen einführen und die Übernahme eines Konzerns, um diesen dann zum Wohle der Armen einsetzen. Wir einigten uns letztendlich auf die Jagd nach Artefakten. Nur zu welchem Zweck? Andere vor ihnen schützen? Eigennutz? Macht? Nach einigem Hin und Her legten wir uns auf Geld und Macht fest. Ein paar der Pfade, die wir beschreiten wollen, sind die Suche nach einem Wikingerartefakt, unserer gegnerischen Kabale, der New Inquisition, einige Artefakte streitig zu machen und schließlich, den Collector ausfindig zu machen. Dieser ist bisher als Serienmörder festgelegt, wobei wir noch nicht wissen, ob er mit einem Artefakt mordet oder diese sammelt.

Wo?

Anschließend haben wir überlegt, wo wir überhaupt spielen. Las Vegas und Miami wurden abgelehnt, ebenso wie D.C. Zu viel Polizei und Regierung, die in den Weg kommen könnte. Eine kurzzeitige Überlegung war Hawaii, aber das hat dann doch keinen großen Anklang gefunden. Es war uns im Grunde egal, wo wir spielen, nur eine Großstadt sollte es schon sein. Irgendwie kam dann Chicago auf, was alle gut fanden. Aber wo dort? Smartphones und Tablets wurden angeworfen und Suchmaschinen kamen zum Einsatz. Schon witzig, wie lange man mit solchem Kleinkram beschäftigen kann. Irgendwann meine einer von uns nur noch: „Nimm einfach das ganz oben rechts. Was ist ganz oben rechts?“ Dank eines Werbebanners, der die halbe Karte verdeckte, war da Lakeview. Hört sich klasse an! (Einen Tag später hat uns unser SL dann mitgeteilt, dass wir uns etwas nach Süden zum Loop verlegen, ebenfalls am See, aber passender für unsere Ideen und dazu verfügt er außerdem über Spielmaterial.)

Der Name der Kabale

Der nächste kleine Krampf war die Namensgebung unserer Kabale. Schnell waren wir bei Raben als Thema und der Vorschlag „Hugin und Munin“ kam. Das war den anderen zwar nicht recht und Orden des Raben, Order of the Raven und weitere Abwandlungen kamen ins Gespräch. Und dann fing das große Lateinisieren an. „Ordo“ sollte mit rein. Aber wie hieß nochmal Rabe auf Lateinisch? Und wie dekliniert man das richtig? Am Ende standen sich Ordo Corvus (undekliniert) und Ordo Corvorum (dekliniert) gegenüber und wurden vorerst mit einem Fragezeichen versehen. Corvorus wäre zwar richtiger, hört sich aber blöd an. Naja, darüber konnten wir später immer noch nachdenken. Jetzt erstmal weiter.

Trigger-Events

Als nächster Punkt stand auf der Liste: Trigger-Events. Wie sind unsere Charaktere in Kontakt mit dem okkulten Untergrund gekommen? Bei meinem Charakter war das klar: Der Vater war ein Avatar des Gamblers und als der sein Töchterchen mal mit nach Las Vegas genommen hat, hat sie bei einem Überfall in einem Casino eine Frau fliegen sehen. Und ja, das war eine absichtliche Anspielung an das Abenteuer „Box“. Ein anderer Charakter hat im Krieg gesehen, wie ein Feind einen seiner Kameraden ohne Waffe explodieren lassen hat. Godlike lässt grüßen! Die Geschichte eines anderen Charakters war dagegen eher niedlich: Jedes Jahr zur selben Uhrzeit und stets am selben Tag schlägt ein Blitz in einen ihm wichtigen Baum ein. Zu diesem Event versammeln sich hunderte Menschen und nutzen die große Menge Strom, um zu fernsehen, zu grillen usw. Irgendwann erfuhr er dann, dass es sich dabei um ein Ritual handelt. Die andere Dame der Runde hat dagegen zusehen müssen, wie sich eine Person die Haut ausgezogen hat und danach noch weiterlebte. Passend zu diesem Erlebnis durften wir dann den Wert unserer Unnatural Gauge festlegen, also wie viele Hardened Marks wir bereits darin erhalten haben. Da mein Charakter in einer recht „magischen“ Umgebung aufgewachsen ist, habe ich ihm die 5 verpasst, die wir maximal haben durften.

Wer noch?

Dann wurde es interessant: Orte und NSCs durften festgelegt werden. Jeder von uns durfte sich eins davon aussuchen. Wir haben auch gleich drei Personen und einen Ort erfunden: Larry Fetcher, ein Avatar des Händlers, Sarah Shepard, eine Esoterikladenbesitzerin (da musste ich stark an meine andere Runde denken), Kitty Rouge, eine Prostituierte und Informationshändlerin und die Lonely Ride Werkstatt. An diesem Punkt ging erneut eine ziemliche Diskussion darüber los, was wir für Charaktere spielen wollen. Die beiden Herren hatten sich beide Automagier ausgesucht und nun ging es darum, wie sie das regeln wollten. Klar, sie hatten beide noch Alternativen. Der SL unterbrach, dass die Identitäten jetzt noch nicht festgelegt werden sollten, aber ich bin ganz der Meinung der anderen, dass man für viele der Schritte schon ungefähr wissen muss, was man für ein Konzept verfolgt. Sonst endet das in so einem Chaos wie mit meinem ersten Charakter, mit dem ich anfangs recht unzufrieden war. Letztendlich einigten sich die beiden darauf, dass einer einen Adepten des Hackers spielt, den er sowieso lieber mochte. Ihm gehört die Werkstatt übrigens auch. Der Avatar des Hackers hat übrigens nichts mit Internethacking zu tun, sondern ist eher ein Baumeister und Erfinder.

Obsessionen

Der nächste Schritt bestand nun darin, eine Obsession festzulegen. Für die meisten von uns war das recht einfach, aber auch hier wurde wieder klar, dass man schon wissen sollte, was man eigentlich spielen will. Die meisten Spieler haben nämlich ein Konzept im Kopf, wenn sie einen Charakter erstellen. Von daher wäre es meiner Meinung nach sinnvoller, die Wahl der Identität weiter nach vorn zu setzen, da sich auf ihr vieles aufbaut, nicht andersherum. Und überhaupt soll ja die Erschaffung bei UA3 begünstigen, dass die Charaktere zusammengehören und nicht jeder seinen Einzelkämpfer baut. Aber es ist gut, dass die Erschaffung gemeinsam vorgenommen wird, denn so kann man sich absprechen und die Figuren besser miteinander vernetzen.

So war dann aber die erste Identität erst der Folgeschritt nach der Obsession. Da haben wir eine Betrügerin (mein Charakter) mit Obsession Abenteuer, einen Taxifahrer (der Automagier) dessen Obsession seine Magie ist (von UA so vorgeschrieben), einen Mechaniker (der Werkstattbesitzer) mit einer Obsession für Antiquitäten und eine Tierarzthelferin (die zu diesem Zeitpunkt noch unsicher bezüglich ihrer magischen Identität war) mit Obsession Kosmetik. Dieser Schritt war der bisher am schnellsten abgehandelte. Wären wir ohne Vorideen in die Erschaffung gegangen, hätte das sicher etwas länger gedauert.

Warum? – Die Hintergründe

Um etwas mehr Konflikt in die Sache zu bringen durfte nun der SL einen NSC bauen und ihn mit uns verlinken. Das wurde dann Elias Thomson, der versucht, die Werkstatt zu verklagen, weil sein Auto dort irgendwie verschwunden ist. Damit war dann auch das Wer und Was abgehandelt und wir gingen über zum Warum. Hier durften wir zuerst unsere Beziehungen zu einem Teammitglied festlegen. Ich nahm mich gütiger Weise der kleinen Tierarzthelferin als Responsibility an und wurde selbst zum Mentor für den Hacker.

Identitäten

Dann endlich kamen die erlösenden magischen Identitäten: Mit von der Partie sind ein Avatar der Nackten Göttin, des Hackers und des Narren, sowie ein Viaturg, ein Automagier. Konfliktreich wurde es dann, als ich den Viaturgen zu meinem Mentor bestimmte und er meinen als Favourite angab. Sprich, sein Charakter ist in meinen verliebt. Nicht gut bei meinem Avatar. Die stoßen nämlich gerne mal Menschen von sich, wenn die zu nahe kommen.

Temperamente

Schließlich durften wir noch weitere Personen und Orte miteinander verlinken und unsere Beziehung zur Kabale festlegen. Nun ging es zum Background. Zwei weitere Shock Gauges durften verändert werden und ich denke, wir haben uns ganz nette, geschädigte Charaktere gebastelt. Dann ging es an Noble, Fear und Rage, also unsere Temperamente. Im Anschluss durften wir unsere Obsession mit einer unserer Identitäten verlinken. Regeltechnisch darf man dann immer, wenn die Obsession triggert, die Würfel bei dieser Identität drehen. Die Passions/Temperamente dagegen kann man jeweils nur einmal pro Spielabend aktivieren, dann aber auch für jede Probe verwenden.

Weitere Orte

Gegen Ende durften wir nochmals jeder ein Element in unsere Welt einfügen. Beispielsweise brauchten wir als Artefaktjäger dringend ein Museum! Die beste Idee kam aber von der Spielerin der Tierarzthelferin, die uns ein süßes Hausboot zur Verfügung stellte, die „Butterfly Wing“. Natürlich kitschig mit Schmetterlingsstickern und so. Da macht sie auch ihre Youtube-Videos, denn unser Avatar des Narren ist eine Beauty-Bloggerin und ausgebildete Tierarzthelferin. Schon lustig, aber scheinbar auch recht nutzlos. Es war natürlich ihre volle Absicht, den Charakter so zu gestalten. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen weiß sie noch nicht einmal, was sie ist, während der Rest von uns sich ihrer Identitäten voll bewusst ist. Okay, meine Dame vielleicht nicht ganz sicher, was sie genau ist, denn der Avatar der Nackten Göttin ist ziemlich neu.

Punkte verteilen

Zum Schluss durften wir dann endlich unsere Identities mit Leben füllen. Das heißt, die insgesamt 120% auf sie aufteilen und Features festlegen. Unsere beiden Herren können natürlich mit Schusswaffen umgehen und unsere Bloggerin ist sowohl medizinisch als auch psychologisch bewandert.

Abschluss – Der Name

Nachdem das alles fertig war, setzten wir nun die Diskussion über unseren Kabalennamen fort. Da unbedingt Bezug auf Hugin und Munin gewünscht wurde, schlug ich „Two Ravens“ vor und dass unser Symbol ein weißer und ein schwarzer Rabe sein könnten. Der Vorschlag wurde kurz überdacht und dann angenommen. Definitiv besser als Ordo Corvorum.

Ihr erinnert euch vielleicht noch aus der ersten Runde, dass es bei jeder Identity ein Substitute gab, welches eine Fähigkeit ersetzt, beispielsweise Knowledge. Leider ist in dem ganzen Chaos und den Unmengen an Infoblättern, die unser SL uns gereicht hat, untergegangen, dass wir dieses Substitute nicht zwingend einsetzen müssen, wenn wir darauf würfeln, sondern auch auf den (anfangs oft höheren) Standardwert zurückgreifen können. Diese Erleuchtung erhielten wir nun in der ersten Spielrunde, sonst hätte ich meine Werte anders gesetzt und doch noch eine dritte Identity genommen. Jetzt ärgere ich mich so ein bisschen.

Und hier dürft ihr noch einen Blick auf unsere wunderherrliche Mind-Map werfen:

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