Maria in three Parts (Unknown Armies)

Hier gibts nun endlich den ersten offiziellen UA3 Demo-Oneshot für Cons, der stark an das ikonische Szenario „Bill“ angelehnt ist. Euch erwartet also einmal mehr ein Strudel aus Absurditäten, auch wenn Maria nicht ganz so abgedreht ist wie Bill. Hier wird eher die Verknüpfung zwischen Charakterbogen und Ingame-Welt hergestellt, was ich sehr schön fand.

Die Charaktere

Jada: Eine afro-amerikanische Schädlingsbekämpferin. Sie ist ein Avatar des Kriegers und kann dadurch Stresschecks verhindern, wenn sie ein bestimmtes Ziel verfolgt und währenddessen die Werte ihrer Mitstreiter erhöhen.

Ellen: Eine ehemalige Alkoholikerin mit Beinprothese. Sie ist eine Adeptin der Fulminaturgy, eine Pistolenmagierin. Sie kann durch das Tragen ihrer Waffe Macht und Ansehen zeigen, schießt aber nicht damit.

Vince: Ein junger, athletischer, aber Akne geplagter Mann. Er ist ein Avatar des Guides, ein großer Bruder, dessen Ziel es ist, anderen zu helfen und ihnen den richtigen Weg zu weisen.

Greg: Trotz seines jungen Alters hat er bereits eine Glatze und einen Bierbauch. Er ist ein Cinemancer, der vorgeben kann, zu einer anderen Berufsgruppe zu gehören und Leute mit magischem Chloroform betäuben kann.

Die Geschichte

Die vier Personen sind Mitglieder einer Cabale, die sich Friends of the Blue Line nennt. Blue Line sind Personen, die die Polizei bei unerklärlichen, scheinbar übernatürlichen Fällen beraten. Und Menschen, die dabei tatsächliches Wissen über den Okkulten Untergrund besitzen, nennt man Van Hellsings. Eine dieser Van Hellsings und ehemalige Polizistin, Maria Menchaca, ist verschwunden. Ihre Bekannte, die Polizistin Renee hat daher die Gruppe aufgerufen, nach ihr zu suchen.

So fährt man zunächst zu Marias Wohnung, um zu sehen, ob sie dort ist. Dass irgendetwas nicht stimmt, wird schnell klar, als man Unmengen von Polizei- und Feuerwehrwagen an dem Mehrfamilienhaus stehen sieht. Das Gebäude ist abgesperrt und anscheinend gab es einen Brand oder eine Explosion, denn dort, wo sich Marias Wohnung befand, ist ein großes, schwarzes Loch zu sehen. Ellen macht sich durch ihre Magie wichtig und erfährt von einem der Polizisten, dass Maria in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht wurde. Allerdings fragt der Polizist auch: „Welche von den dreien ist denn Maria?“ Die Gruppe ist verwirrt und fragt Renee, ob Maria Schwestern hatte, was diese verneint.

Verwirrt fährt man also zum Krankenhaus, wo gerade ziemlich viel Betrieb herrscht. Trotz allem streiten in der Nähe zwei Pflegerinnen mit einem Arzt um die Insulinpreise. Nachdem die Gruppe bemerkt, dass sie in der Warteschlange zur Rezeption keine Chance haben, gehen die beiden Männer los, um sich eine Verkleidung zu verschaffen. Die Frauen dagegen verscheuchen die Pflegerinnen und löchern den komplett überforderten Arzt mit Fragen zu Maria. Er weiß nur noch, dass sie auf der Intensivstation war. Die beiden Männer dagegen werden zunächst von der Security aufgehalten, welche die Umkleiden überwacht. Vince kann sie jedoch mit harschen Worten und dem Hinweis auf das Chaos im Haus dazu bringen, sie durchzulassen.

Den beiden Frauen fällt währenddessen eine junge Dame auf, welche sich sehr ängstlich durch die Menge bewegt. Ellen will zu ihr gehen, doch sobald sie entdeckt wird, flieht die Fremde panisch und man gibt die Verfolgung auf. Stattdessen gehen die beiden zur Intensivstation, in der Hoffnung, dort mehr in Erfahrung bringen zu können. Sie schreiben den Männern, wo sie sind und treffen sich tatsächlich vor Ort. Auf der Intensivstation geht es noch hektischer zu als im Empfangsbereich und nur mittels seiner Magie kann Greg jemanden dazu bringen, ihn an einen PC zu lassen. Leider wurde nicht eingetragen, auf welche Station Maria verlegt wurde und Greg macht den Pflegern Panik, indem er behauptet, sie habe möglicherweise eine falsche Bluttransfusion erhalten. Eine der Pflegerinnen weiß, dass eine der drei Schwestern psychisch auffällig war und entsprechend verlegt wurde. Eine Patientin dagegen meint, eine Frau mit dieser Beschreibung wütend zur Administration eilen gesehen zu haben.

Man entscheidet sich, zuerst auf der Psychiatrischen Station nachzusehen und fährt mit dem Fahrstuhl nach oben. Der Gang ist vollkommen leer, aber von überall hört man Schreie und Weinen, das Licht ist grell aufgedreht, eine surreale Szenerie. Alle sind ein wenig außer sich und auf der Toilette findet man einen vollkommen verstörten Jugendlichen, der schreit: „Sie kommen! Sie kommen!“ Ellen hat zuerst einen Nervenzusammenbruch und weigert sich, weiterzugehen. Sie kauert sich in den Fahrstuhl und Jada muss sie beruhigen. Als die Kriegerin voranschreitet, werden aber auch die beiden Männer immer ängstlicher und sehen Dinge, die gar nicht da sind. Nur mit Mühe können die beiden Frauen sie dazu bringen, weiterzugehen. Auf dem Weg zu einem der hinteren Zimmer, wo Maria sich befinden soll, stürzen plötzlich mehrere Leute aus ihren Zimmern und greifen sich an. Die Gruppe muss ihnen ausweichen und über sie steigen, um weiterzukommen.

Dann aber kommen sie an. Im Zimmer hockt eine Frau unter ihrem Bettlaken und zittert vor Angst. Es ist Maria und sie trägt eine Halskette mit drei Einlassungen, von denen jedoch nur eine mit einem roten Stein besetzt ist. Sie ist vollkommen verwirrt und scheint sich nicht zu erinnern, was passiert ist. Jada beruhigt sie und man nimmt sie mit, um nach den anderen beiden Marias zu suchen. Jada hat so eine vage Idee, was der Frau zugestoßen sein könnte. Es gab da nämlich mal eine Geschichte über einen Mann namens Bill, dem ähnliches widerfahren ist…

Während die Gruppe sich auf den Weg zum Fahrstuhl macht, treten aus diesem plötzlich zwei Personen heraus, ein Mann und eine Frau, die Kleidung aus dem 1. Weltkrieg tragen und boshaft grinsen. Maria kreischt vor Angst und die Gruppe flieht in Richtung des Treppenhauses. Nur Ellen bleibt zurück, zieht ihre Waffe und schießt auf die Fremden, deren Gliedmaßen während des Gehens immer länger werden. Schnell fällt sie die beiden, doch kaum haben sich ihre Körper aufgelöst, treten sie erneut aus dem Fahrstuhl. Ellen schießt mehrere dieser Wellen ab, dann rennt sie jedoch den anderen hinterher.

Unten ist absolutes Chaos ausgebrochen. Patienten und Besucher schreien sich gegenseitig an und kämpfen miteinander, hinter der Rezeption liegt eine erschossene Person und auch zwei Sicherheitsleute wurden getötet. Jada kann sich nur mit Mühe der wütenden Meute erwehren, während die anderen einem Wimmern in ein Büro folgen. Dort finden sie eine Pflegerin, die sich vollkommen verängstigt unter einen Schreibtisch kauert. Von ihr erfährt man, dass die zweite Maria wohl zu einem der Manager aufgebrochen ist, um sich mit ihm über die Insulinpreise zu unterhalten. Die Furcht-Maria spürt ihr anderes Ich und die Gruppe folgt ihr aus dem Gedränge heraus. Irgendwo hinter sich sehen sie noch einen Mann und eine Frau in Polizeiuniform aus dem Fahrstuhl treten. Als ihre Arme und Beine immer länger werden, bricht im Eingangsbereich Panik aus und Ellen schießt sie zumindest einmal ab.

In einem Büro findet die Gruppe schließlich die Wut-Maria, welche dabei ist, den Manager zu foltern. Ihre Aura strahlt auf die anderen aus und es kommt zum internen Kampf: Jada will die Wut-Maria angreifen, Vince geht auf Jada los, Ellen zieht ihre Pistole. Da springt Greg hinter Ellen hervor und ruft „Oh, Chloroform!“ und hält seiner Gefährtin ein Tuch vors Gesicht. Die Frau wird daraufhin bewusstlos. Die beiden Marias starren sich an und gehen, nein, gleiten fast aufeinander zu. Als sie sich berühren, wird der Raum in ein grelles Licht gehüllt und die beiden werden wieder eins. Maria scheint sich nun etwas gefangen zu haben. Ihre Kette umfasst nun zwei Steine und die Effekte ihrer Persönlichkeit greifen nicht mehr auf die Personen in der Umgebung zu.

Nach einer kurzen Verschnaufpause erinnert sie sich, dass Mutterschaft eine Tugend ihres Ichs ist und so macht man sich auf den Weg zur Neonatal Intensive Care Unit. Auch diese Station ist komplett verlassen, doch es sind dieses Mal keine Schreie zu hören. Im letzten Raum des Ganges findet die Gruppe eine Versammlung vor: Maria steht in einer Art Toga auf einem Tisch und predigt von Güte. Sie erzählt dabei auch etwas von Männern, die sie in ihr Haus gelockt hat als Opfer für Fancy Pants und wie nobel dies von den Männern war. Als die Gruppe eintritt, richten sich alle Blicke auf sie, selbst die Neugeborenen starren sie an. Ellen kennt den Namen Fancy Pants, kommt aber in diesem Moment noch nicht dazu, etwas zu sagen.

Die Gruppe versucht, sich mit ihren Fähigkeiten durch die Menge zu bewegen, doch diese versperrt ihnen den Weg zur Noble-Maria. Als die beiden Marias sich sehen, gehen sie aber von selbst aufeinander zu, was jedoch durch die Menschenmenge etwas schwieriger und langsamer vonstattengeht. Zu allem Überfluss treten nun auch wieder die beiden Kreaturen durch die Tür, dieses Mal in Kardinalskleidung. Ellen wehrt sie wieder und wieder erfolgreich ab und Jada schiebt Maria auf ihr letztes Ich zu. Als sie sich endlich wieder zu einer kompletten Person vereinen, bleiben die Kardinäle verdutzt stehen, schauen dann regelrecht traurig drein und verschwinden. Die anderen Leute im Raum schauen sich verwirrt um und verlassen den Raum.

In einem kurzen Gespräch mit Maria wird klar, dass es sich bei den beiden Personen um sogenannte Authority Figures gehandelt hat, Wesen, die alles, was nicht sein darf, verschwinden lassen. Die Kette, die nun in einer Ecke liegt, sei ein Artefakt, welches Maria in ihre drei Persönlichkeitsmerkmale gespalten hat – ein Geschenk von Fancy Pants, einem Dämon. Maria weint, sie sei ein schlechter Van Hellsing, denn sie habe all ihr Wissen nur von diesem Dämon erhalten. Renee habe sie dann aber überredet, die Verbindung mit ihm abzubrechen, was Fancy Pants anscheinend herausbekommen hat und sich nun rächen wollte. Fancy Pants, so weiß Ellen, war ein einfacher Angestellter, der immer nur graue Hosen in seinem Beruf tragen durfte. Er starb mit dem Wunsch, sich bunt zu kleiden und wurde so zu einem Dämon, der immer ausgefallenere Hosen tragen will.

Und genau der scheint mit seiner Rache noch nicht fertig zu sein. Vince erhält einen Anruf von Renee. Sie schreit noch „Verdammter Fancy Pants“, dann hört man nur ihren Schrei und die Verbindung bricht ab. Die Gruppe eilt zu ihr nach Hause, um den Dämon aufzuhalten. Man stürmt die Eingangstür, doch Ellen fällt dabei beinahe in eine Falle: Etliche Messer sind mit Seife, Butter, usw. am Boden festgemacht. Sie weicht diesen aus, wird dann jedoch von einem Wäschekorb, der von der Treppe her auf sie zu saust, umgeworfen. Auch die anderen kommen nun herein und sehen oben an der Treppe einen älteren Mann mit knallig bunten Hosen. Vor ihm sitzt Renee, an einen Stuhl gefesselt und übel zugerichtet.

Verzweifelt versucht die Gruppe, ihn dazu zu überreden, die Frau in Ruhe zu lassen und schließlich stürmt Jada die Treppe hoch, um die Polizistin zu retten. Doch Fancy Pants bemerkt sie, flucht und kickt den Stuhl mitsamt der Frau die Treppe herunter. Jada bleibt benommen liegen und Greg kümmert sich um Renee. Fancy Pants springt derweil aus dem Fenster und die anderen jagen ihm nach. Allerdings wirkt er einen perfiden Zauber, der den Garten in ein Flammenfeld verwandelt und damit die Verfolgung unmöglich macht. Jada ruft zwar die Polizei und Ellen rennt um ein paar Häuser herum, doch von dem Dämon fehlt jede Spur. In den kommenden Wochen verschwinden mehrere Angestellte eines Kleidungsgeschäftes und die Cabale hat ein neues Ziel: Den Dämon fassen.

Fazit

Wie gesagt, es war sehr interessant zu sehen, wie die drei „Passions“ auf dem Charakterbogen tatsächlich in die Spielwelt übertragen werden. Bisher war mir gar nicht bewusst, dass sie tatsächlich als Eigenschaften gedacht sind, denen sich die Charaktere bewusst sind. Für Einsteiger ist das ein sehr gutes Szenario, um diese Mechanik kennenzulernen und sich ein Bild von der UA3 Welt zu machen.

Das Szenario ist gut aufgebaut und strukturiert, es gibt genügend Möglichkeiten, die Spur der drei Marias aufzunehmen, sodass man nicht viel Zeit mit Recherche verschwenden muss. Während Bill die Spieler in die Welt magischer Artefakte, Adepten und Avatare einführt und dabei jede Menge abgedrehter Szenarien entwirft, ist Maria etwas bodenständiger und für neue Spieler nicht zu abgehoben. Trotzdem wird deutlich, worum es in UA geht und womit die Spieler konfrontiert werden können.

Aus Zeitmangel mussten wir ein paar Szenen verkürzen, sodass beispielsweise weitere Konfrontationen mit den Wachleuten im Krankenhaus wegfielen. Trotz allem hat das Szenario Biss und macht viel Spaß. Ich freue mich sehr darauf, in den kommenden Monaten weitere Demo-Szenarien vorstellen zu dürfen, da unser SL einer der wenigen Europäer ist, die diese Demos zum Testen zugeschickt bekommen.

PS: Gregs Zauber heißt eigentlich „Does this smell like chloroform?“, aber im Eifer des Gefechts kam dieser viel coolere und witzigere Zauberspruch dabei heraus.

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